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Weg von Trump und seinem Bullshit“ – US-Paar kauft Haus in Hessen.T

Ein Ehepaar aus Kalifornien flieht vor dem politischen Chaos in den USA. In der Wetterau haben sie ein neues Zuhause gefunden.

Altenstadt/Lafayette – Die kalifornische Sonne, die liberale Westküste, der Blick auf den Pazifik – und doch zieht es ein Ehepaar aus der Bay Area, wie die Gegend rund um San Francisco oft genannt wird, in die Wetterau. Die beiden Amerikaner Ingrid und Eric McIntire haben in der Waldsiedlung in Altenstadt im Wetteraukreis ein Haus gekauft und wollen künftig zweimal im Jahr mehrere Monate in Deutschland verbringen.

Eric und Ingrid McIntire aus Kalifornien zusammen mit ihren Hunden "Jett" und "Juno" vor ihrem neuen Zuhause in der Waldsiedlung. Sie lieben den Vibe von Altenstadt: "Für uns ist hier alles langsamer und erholsam."

Eric und Ingrid McIntire aus Kalifornien zusammen mit ihren Hunden Jett und Juno vor ihrem neuen Zuhause in der Waldsiedlung. Sie lieben den Vibe von Altenstadt: „Für uns ist hier alles langsamer und erholsam.“ © Sven Schöning

Nicht nur wegen familiärer Wurzeln, sondern auch, weil sie dort etwas gefunden haben, das sie in ihrer Heimat zunehmend vermissen: Ruhe und Lebensqualität – sowie eine andere Perspektive auf Politik und Gesellschaft. Wie blicken die McIntires auf ihr Heimatland? Ist Amerika noch immer das „Land der Freiheit“? Und leben sie inzwischen vielleicht ein Stück weit einen neuen Traum – einen deutschen?

„Trump hat den American Dream getötet“ – Paar zieht von Kalifornien in die Wetterau

Sie leben in Lafayette in Kalifornien und haben sich entschieden, zusätzlich ein Haus in Deutschland zu kaufen. Wie kam es dazu?

Ingrid McIntire: Wir haben 2013 Erics Familie besucht und hatten eine schöne Zeit. Seitdem kommen wir jedes Jahr wieder.

Gab es einen bestimmten Moment oder ein Erlebnis, das den Wunsch ausgelöst hat, einen Teil des Jahres in Deutschland zu verbringen?

Ingrid McIntire: Ja, wir möchten weg vom politischen Chaos in Amerika.

Eric McIntire: Es gibt eigentlich zwei Gründe. Wir kommen immer wieder gerne, um Familie und Freunde zu besuchen. Außerdem wollen wir weg von Donald Trump und seinem ganzen Bullshit.

Ex-Bankerin und Gitarrist ziehen aus Kalifornien nach Hessen

Ingrid McIntire arbeitete als Bankerin bei Wells Fargo. Heute ist sie in Rente und engagiert sich für heimatlose Hunde und Katzen in einem Tierheim ihres Countys. Die 58-Jährige hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Eric McIntire ist Gitarrist der amerikanischen Crossover-Thrash-Band „Attitude Adjustment“. Der 57-Jährige hat seit langer Zeit eine familiäre Verbindung zu Altenstadt. Seine Mutter ging als junges Model in die USA, heiratete und lebte dort. Die beiden leben in Lafayette in Kalifornien und seit Kurzem in der Waldsiedlung in Altenstadt im Wetteraukreis.

Wie haben Familie, Freunde und Nachbarn in den USA auf Ihre Entscheidung reagiert?

Ingrid McIntire: Sie verstehen uns. Manche würden den Schritt auch gerne gehen und hierherkommen. Viele werden uns besuchen.

Was bedeutet es emotional für Sie, in zwei Ländern zu leben?

Ingrid McIntire: Ich bin sehr froh, dass ich momentan hier sein kann. Ja, ich liebe mein Land, aber derzeit nicht.

Eric McIntire: Ich vermisse das alte Amerika. Ich vermisse, wie Politiker miteinander gesprochen haben. Ich befürchte, dass die aktuelle Situation die neue Normalität wird – ganz besonders für junge Leute. Sie juckt vieles nicht mehr – sie gehen nicht wählen, bewundern dumme Menschen, haben oft nur eine Quelle für ihre Informationen und hinterfragen nichts. Das liegt oft an der fehlenden Bildung. In Amerika hat jeder eine Flagge vor dem Haus. Wir auch – aber eine deutsche.

Wie unterscheidet sich Ihr Alltag in Kalifornien von Ihrem Alltag in Deutschland?

Ingrid McIntire: Dort haben wir den alltäglichen Stress. Gassi gehen mit den Hunden, Bandproben, meine Arbeit im Tierheim. Und die News im TV – da steigt immer mein Blutdruck. Täglich frage ich mich: Was wird heute wohl passieren? Hier ist alles entspannter.

Welche Dinge genießen Sie besonders, wenn Sie in Altenstadt sind?

Ingrid McIntire: Den Wald, Spaghetti-Eis und Hackbraten. Die Zeit mit der Familie und die schöne Umgebung. Und natürlich den Vibe von Altenstadt – für uns ist hier alles langsamer und erholsam.

Gibt es Aspekte des amerikanischen Lebens, die Ihnen in Deutschland fehlen?

Ingrid McIntire: Nein. Mir fehlen nur meine Kinder.

Eric McIntire: Die Kinder und Freunde. Und vielleicht noch mein Lieblings-Mexikaner.

Haben Sie schon typisch deutsche Gewohnheiten übernommen?

Ingrid McIntire: Wir lernen noch und passen uns mehr und mehr an. Es gibt mehr Familientreffen. Von der intensiven Mülltrennung könnten Amerikaner noch lernen.

Fühlen Sie sich in Deutschland eher als Gäste oder schon zu Hause?

Ingrid McIntire: Ich fühle mich in unserem Haus zu Hause.

Eric McIntire: Ich würde sagen 70:30 – alte Leute schauen oft. Aber das wird schon.

Was hat Sie an Deutschland besonders überrascht – sowohl positiv als auch negativ?

Ingrid McIntire: Der Sonntag. Ein Ruhetag bringt mich durcheinander. In Amerika hat sonntags alles geöffnet. Daran muss ich mich noch gewöhnen.

Wie nehmen Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation in den USA wahr?

Ingrid McIntire: Preise kennen nur eine Richtung: nach oben. Das Ganze ist nicht mehr verhältnismäßig. Das ist sehr anstrengend für die Menschen. Es wird immer härter, das tägliche Leben zu bestreiten.

Haben Sie das Gefühl, dass sich wirtschaftliche Sorgen in den USA stärker bemerkbar machen als in Deutschland?

Eric McIntire: Schon etwas. Ich glaube aber, dass alles, was in Amerika aktuell passiert, in der ganzen Welt sichtbar ist und man Ähnliches erlebt. Ich habe hier vor Kurzem in einem Supermarkt Zeitschriften gesehen – „Spiegel“, „Stern“ etc. Auf vier davon war Trumps Kopf, mit Raketen im Hintergrund. Ich sehe das als großes Problem, wie wir in der Welt gesehen werden.

Wie blicken Sie als Amerikaner aktuell auf die Beziehungen zwischen den USA und Europa?

Eric McIntire: Ich bin da eher bei den Europäern. Besonders wegen der Werte und der Moral. Ich bezeichne mich als Realist. Ich bin weder rechts noch links. Ich wähle die Demokraten. Aber es ist eher eine moralische Wahl.

Welche Rolle spielt Deutschland Ihrer Meinung nach in dieser Partnerschaft?

Eric McIntire: Ich weiß zu wenig über deutsche Politik, um sie zu kommentieren. Aber allgemein stimme ich mehr der europäischen Seite zu als der amerikanischen. Das zeigt, dass ich viel Vertrauen in mein eigenes Land und die Leute, die es regieren, verloren habe.

Die Weltlage ist derzeit angespannt – etwa durch den Krieg im Iran und die Konflikte im Nahen Osten sowie den Krieg in der Ukraine. Wie diskutiert man solche Themen derzeit in den USA?

Eric McIntire: Ich diskutiere diese Dinge nicht. Es ist schwierig, das mit Trump-Wählern zu diskutieren. Man hat keine Chance, deren Meinung zu ändern.

Wie erleben Sie die politische Stimmung in den USA?

Eric McIntire: Ein Krieg im eigenen Land. Trump hat einen guten Job gemacht, uns als Menschen voneinander zu trennen. Veteranen sind auf einmal gegeneinander, Freundschaften enden. Ich schäme mich derzeit, Amerikaner zu sein. Natürlich liebe ich mein Land, aber ich mag nicht, was aus ihm geworden ist.

Die USA werden oft als „Land der Freiheit“ bezeichnet. Würden Sie sagen, dass das heute noch gilt?

Ingrid McIntire: Nein.

Eric McIntire: Schauen Sie sich nur die ICE-Einsätze an.

Der „American Dream“ war lange ein zentrales Versprechen der USA. Jeder kann mit harter Arbeit Erfolg haben. Glauben Sie noch daran?

Eric McIntire: Trump hat den „American Dream“ getötet. Die Leute können sich kein Haus mehr leisten. Sie können sich ja kaum noch das tägliche Leben leisten. Über Gesundheitsfürsorge will ich gar nicht erst sprechen. Die Regierung kümmert sich nur noch um die Superreichen und die eigene Familie. Man hat das Gefühl, es ist wie ein Banküberfall: Man geht rein und hat 60 Sekunden, um so viel Geld wie möglich mitzunehmen. So erscheint mir diese Präsidentschaft.

Wenn Sie Ihr Leben zwischen Kalifornien und der Waldsiedlung betrachten: Leben Sie vielleicht inzwischen eine Art „German Dream“?

Ingrid McIntire: Wir bewegen uns da hin.

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft zwischen den beiden Kontinenten vor?

Eric McIntire: Wir versuchen, so viel Deutschland wie möglich in unser Leben zu lassen. Am Ende 50:50.

Viele Menschen in Europa schauen derzeit kritisch auf die USA. Wie erleben Sie das?

Eric McIntire: Das ist eine natürliche Reaktion. Ich verurteile niemanden dafür. Ich hoffe nur, dass die Menschen smart genug sind, um das Volk von der Regierung zu unterscheiden.

Und wann denken Sie: Gut, dass wir gerade in Deutschland sind?

Ingrid McIntire: Jeden Tag. Als wir vom Flughafen kamen und ich Altenstadt gesehen habe, ging mein Blutdruck direkt runter.

Sinkende Beliebtheit als Reiseziel

Laut Statistischem Bundesamt sind von Januar bis September 2025 – erstmals seit 2021 – mehr Menschen aus den USA nach Deutschland gezogen als umgekehrt. Die Zahl der Zuzüge lag bei 19 300 und damit um 3,4 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Auch flogen weniger Deutsche in die USA: An deutschen Flughäfen stiegen in diesem Zeitraum 1,3 Prozent oder rund 67 200 Fluggäste weniger mit dem letztbekannten Ziel USA ein als im Vorjahreszeitraum. Parallel stieg die Zahl der Fluggäste mit einem anderen außereuropäischen Ziel um 4,3 Prozent.

Wenn Sie in zehn Jahren zurückblicken: Was hoffen Sie, über diese Entscheidung sagen zu können?

Ingrid McIntire: Ich hoffe, meine Kinder haben entschieden, herzukommen.

Eric McIntire: Wir haben eine großartige Entscheidung getroffen.

Was würden Sie Deutschen gern über Amerika erklären, das oft missverstanden wird?

Ingrid McIntire: Es tut uns leid.

Eric McIntire: Die meisten Amerikaner sind nicht so. Aber viele leben nach dem Motto: „Hold my beer, this will be over soon!“ (Von Sven Schöning)

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